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![]() Kundgebung für bessere Bildung der Gehörlosen in Innsbruck
Erst zwei, drei Tage vor der Kundgebung hat sich der Tiroler Landesverband der Gehörlosenvereine dazu entschlossen einen Aufmarsch zu organisieren. Das Motto war "Bilingualer Unterricht jetzt!" Die Forderungen der Kundgebung beziehen sich vor allem auf drei wichtige Schwerpunkte. Diese lauten: 1. gesetzliche Verankerung von bilingualem Unterricht für gehörlose SchülerInnen; 2. gleichberechtigter Zugang zur Bildung für gehörlose SchülerInnen und 3. gleiches Sprachenrecht für alle Lernenden.
Circa 50 Personen nahmen an der Kundgebung am 21. Feber 2008 vor dem Gebäude des Landesschulrates für Tirol, in der Nähe der Ottoburg eingangs der Innseite zur Altstadt in Innsbruck, teil. Obwohl die TeilnehmerInnen erst ein bis zwei Tage vor der Demonstration informiert wurden, sind diese überraschenderweise sehr zahlreich gekommen. Unter den gezählten Anwesenden waren mehr als 30 Gehörlose, sowie etwa ein halbes Dutzend DolmetscherInnen, geprüfte und in Ausbildung, Teilnehmer von verschiedenen Gebärdensprachkursen und deren Freunde. Die MitarbeiterInnen unserer Projekte "Beratungsstelle für Gehörlose & Dolmetschzentrale für Gebärdensprache" und "Kommbi - Bildungs- und Kommunikationszentrum für Gehörlose, Schwerhörende und CI-Trägerinnen" erschienen fast vollzählig. Der Tiroler Landesverband möchte sich bei den beiden Projekten für deren Mithilfe bedanken. Auch bei allen anderen Anwesenden, Gehörlosen und Hörenden, möchten wir uns für die tatkräftige Unterstützung herzlich bedanken. Obwohl der Donnerstag ein ganz normaler Arbeitstag war und die Uhrzeit der Kundgebung 11 - 12 Uhr nicht besonders "arbeiternehmerfreundlich" war, sind dennoch zahlreiche UnterstützerInnen gekommen.
Die Idee der Demo kam nicht unbedingt vom Tiroler Landesverbandes der Gehörlosenvereine, sondern es wurde vom Österreichischen Gehörlosenbund (ÖGLB) vorgeschlagen, dass sowohl in Wien als auch in jeder Landeshauptstadt eine Demonstration für bessere Bildung der Gehörlosen stattfinden sollte. Zuerst hatte ich Zweifel, ob wir eine Kundgebung organisieren könnten, weil die Veranstaltung so kurzfristig angesetzt wurde. Eine Mitarbeiterin von der Beratungsstelle, Lisa Gmeiner, hat mich jedoch überzeugt, dass eine derartige Kundgebung von eminenter Bedeutung ist. So organisierte ich doch noch kurzfristig die Protestaktion. Dieser knapp angelegte Termin hatte einen bestimmten Grund, da der ausgewählte 21. Feber zugleich der Internationale Tag der Muttersprache ist. Und für unsere Protestaktion hatte dieser Tag natürlich eine ganz besondere Bedeutung. An einem anderen Tag zu demonstrieren hätte vielleicht weniger Wirkung gezeigt. Daher nahmen wir den Appell des ÖGLB ernst, und wir führten dennoch eine Kundgebung durch. Zwei Tage vor der Kundgebung haben vier Frauen, Daniela Karpitschka, Irmgard Hammer, Gerlinde Paris und Doris Fischlechner noch gemeinsam drei Transparente aus zusammengeklebten Papier und Stangen, die sie im Keller des Hauses der Tiroler Gehörlosen zufällig gefunden hatten, hergestellt. Die Frauen haben drei kreative Transparente mit unseren Forderungen gezeichneten Händen gestaltet. Die Hände sollten ein signalisierendes Symbol für Gebärdensprache sein.
Mit Flugzetteln, türkisen Ribbons und Transparenten ausgerüstet demonstrierten die Anwesenden für eine bessere Bildungssituation der Gehörlosen. Kurz nach dem Start der Demonstration kamen, entgegen unserer Erwartungen, zwei hohe Persönlichkeiten aus dem Landesschulrat: LSI Josef Federspiel, Landesschulinspektor für Sonderpädagogik und Prof. Mag. Andreas Pirkl, Büro des amtsführenden Präsidenten. Beide haben unserem Anliegen Aufmerksamkeit geschenkt und luden eine Gruppe von InteressensvertreterInnen augenblicklich in das Büro des Landesschulrates zu einer Diskussion ein. Die beiden Herren wollten sich über unsere Situation, Anliegen und Forderungen informieren lassen. An dem Gespräch nahmen neben Dolmetscherin Katina Lair die beiden Gehörlosen Monika Mück und ich, Paul Steixner, ebenso Caroline Oberauer als Vertreterin der Beratungsstelle für Gehörlose, Sabine Egg als Projektleiterin von "Kommbi", sowie eine Mitarbeiterin der Tiroler Tageszeitung teil. Das klärende Gespräch dauerte fast eine Stunde, in der die beiden Herren unseren Problemen und Bedürfnissen sehr aufmerksam gegenüberstanden und sich unsere Bedürfnisse notierten. Sie versicherten uns, dass sie sich für unsere Wünsche und Appelle einsetzen würden. Auch sie möchten dafür einstehen, dass es in Zukunft eine bestmögliche Unterstützung im Schulbereich für gehörlose Kinder geben soll. Der Landesschulrat selbst war verhindert, da er zu kurzfristig über die Kundgebung informiert worden ist. Aber die Herren Federspiel und Pirkl versicherten uns, einen Termin mit dem Landesschulrat zu vereinbaren, um auch mit ihm über die derzeitige Problemlage zu diskutieren. Es dürfte Ende März zu einem weiteren Gespräch zwischen den Vertretern des Landesschulrates und dem Tiroler Landesverband der Gehörlosenvereine samt Mitarbeiterinnen von "Kommbi" und der Beratungsstelle für Gehörlose kommen. Wir hoffen, dass wir durch unsere Kundgebung die Schulbehörde auf die schlechte Bildungssituation der Gehörlosen aufmerksam machen konnten und dass der novellierte Lehrplan für gehörlose Kinder nun auch die Österreichische Gebärdensprache als offizielle Unterrichtssprache ernst nimmt. Durch einen bilingualen Unterricht würde sich bei den gehörlosen Kindern die Motivation die deutsche Schrift- und Lautsprache zu erlernen, erhöhen. Daher würde der bilinguale Unterricht das Bildungsniveau der Gehörlosen enorm ansteigen lassen.
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