Der Landesverband der Gehörlosen versteht sich in erster Linie als Ort der Begegnung. Als Raum, in dem Gehörlosenkultur, Gebärdensprache und Gehörlosenidentität gelebt und weitergegeben werden kann und darf.
Ein besonderes Anliegen ist uns die Förderung unserer gehörlosen Jugend speziell im Hinblick auf Bildung, Selbstbewusstsein und Chancengleichheit am Arbeitsmarkt.Um den jungen Menschen einen optimalen Start ins eigenständige, selbstbestimmte Leben zu ermöglichen, bieten wir Ihnen in unserem Haus "Startwohnungen" zu günstigen Bedingungen an. Weiters versuchen wir sie so gut wie möglich in die Gehörlosengemeinschaft zu integrieren.
Durch die Seniorenbetreuung ermöglichen wir unseren isolierten, nicht mehr mobilen, älteren Mitgliedern die Teilnahme am Vereins-, bzw. kulturellen Leben. Dadurch bietet sich auch eine Ebene des Austausches und des Erhalts von Traditionen zwischen jungen und älteren Gehörlosen.
Zu den Kulturaktivitäten zählen neben dem Leben der eigenen Kultur, wie z.B. durch unsere Theatergruppe, usw. auch andere Angebote, z.B. Kulturreisen.
Neben dem Ziel, die Öffentlichkeit auf die Gehörlosenkultur aufmerksam zu machen und Interesse zu wecken, ist es uns wichtig, unseren Mitgliedern die Möglichkeit zu bieten genussvoll die Kultur der hörenden Welt nahezubringen!
Da Bildung nicht nur für die Jugend ein wichtiger Aspekt ist und wir das Schlagwort " Lebenslanges Lernen" ernst nehmen, bzw. in die Realität umsetzen möchten, organisieren wir immer wieder Kurse, bzw. Vorträge aus den unterschiedlichsten Bereichen.
Derzeit läuft die Vortragsreihe "MiniMed" in Zusammenarbeit mit der TILAK (Tiroler Landeskrankenanstalten) die sehr gut angenommen wird. Die Auseinandersetzung mit dem Thema "Gesundheit & Krankheit" ist wohl für jeden ein wichtiges Thema und wir freuen uns, dass sich die Gehörlosen daran beteiligen können!
Da all diese Dinge natürlich einer Organisation bedürfen, bzw. es einen Ansprechpartner für Hörende wie auch Gehörlose bedarf und diese Tätigkeit einen ehrenamtlichen Rahmen übersteigen würde, haben wir eine Sekretärin, bzw. Dolmetscherin angestellt. Fr. Brigitte Vozu ist schon seit nunmehr 20 Jahren im Landesverband angestellt und bemüht sich um einen reibungslosen Ablauf!
Um die Lebenssituation der Gehörlosen in Tirol, aber auch in Österreich verbessern zu können, bedarf es mehr als nur interner Leistung.
Aus diesem Grund hat sich der Tiroler Landesverband dem Österreichischen Gehörlosenbund angeschlossen, dieser wiederum ist Mitglied der EUD (Europäische Union der Gehörlosen) und beim WFD (Weltorganisation der Gehörlosen)!
Das Hauptanliegen ist die Anerkennung der Gebärdensprache und die damit verbundene Gleichberechtigung der Gehörlosenkultur! Gehörlosigkeit nur als Defizit zu erleben ist eine defizitäre Sichtweise!!!
Wir kämpfen um die gesellschaftliche und politische Anerkennung der Gehörlosen als sprachliche Minderheit. Trotz der Empfehlungen der EU die Gebärdensprache offiziell anzuerkennen ist es in Österreich immer noch ein Kampf um Grund- bzw. Sozialrechte!
"Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Die Republik (Bund, Länder und Gemeinden) bekennt sich dazu, die Gleichbehandlung von behinderten Menschen und nichtbehinderten Menschen in allen Bereichen des täglichen Lebens zu gewährleisten." (Verfassungsänderung Sommer 1997).
Solange jedoch die österreichische Gebärdensprache diskriminiert ist, werden wir Gehörlose als natürliche Folge diskriminiert! Wir haben keinen gleichberechtigten Zugang zu Informationen, Bildung, usw. Diese Diskriminierung ist direkt spürbar in allen Bereichen unseres Lebens!
Um unsere Forderung nach Selbstbestimmung und Antidiskriminierung durchsetzen zu können, bedarf es Öffentlichkeitsarbeit, um die hörende Gesellschaft auf unsere Probleme aufmerksam zu machen bzw. zu sensibilisieren.
Einerseits muss die sprachwissenschaftliche Anerkennung der Gebärdensprache als vollwertige Sprache auch gesellschaftlich Anwendung finden, andererseits muss die Gehörlosengemeinschaft als solche in Forschung und Politik mitwirken, bzw. Druck ausüben um zu einer Situation zu kommen, in der Menschenrechte nicht nur auf Papier bestehen, sondern täglich gelebt und erlebt werden können.
2013-07-05