GEBÄRDENSPRACHE:
Gehörlos zu sein bedeutet nicht taubstumm oder hilflos zu sein!
Das Wort „taubstumm“ ist für uns diskriminierend, es bedeutet soviel wie taub, stumm und dumm sein und dagegen wollen wir uns wehren. Wir können sprechen, zwar nicht so wie Hörende, aber wir sind in der Lage dazu. Vielmehr sehen wir uns als kommunikationsbehindert, d.h.: wir kommunizieren mit Hörenden lautsprachlich nur mit großer Mühe.
Das kommt daher, dass Gehörlose Sprache nicht hören und sie deshalb vom Mund ablesen müssen, das ist nicht so einfach!! Schwerhörige (je nach Grad der Schwerhörigkeit) haben es etwas leichter, weil sie ein wenig hören und dazu noch vom Mund ablesen.
Wir sind jedoch nicht sprachbehindert, weil wir ja mit den Händen kommunizieren, also in der Gebärdensprache.
Leider sagen viele Hörende die Gebärdensprache wirke gegen den Lautsprachenerwerb bei Gehörlosen – diese werden dadurch beim Sprechen schlechter und dümmer.
Darum möchte ich Ihnen das erklären, aus meiner Erfahrung!
Diese Aussage ist eindeutig falsch: In der Gebärdensprache ist es Gehörlosen möglich jemanden leichter zu verstehen und viel schneller zu kommunizieren. Und zudem erleichtert die Beherrschung einer Sprache den Erwerb einer zweiten, z.B. den Erwerb der Lautsprache.
Die Gebärdensprache ist unsere Muttersprache, sie ist eine natürliche und nicht eine erfundene Sprache oder Pantomime. Durch den Oralismus (pädagogische Methode) sind Gehörlose gezwungen, sehr mühsam Wissen durch die den Gehörlosen eigentlich als Fremdsprache dienende Österreichische Lautsprache und durch das Ablesen vom Mund zu erwerben. Dadurch entstehen unüberwindbare Kommunikationsprobleme zwischen Gehörlosen und Hörenden und Wissensdefizite, was vielfach zu Missverständnissen führt.
DISKRIMINIERUNG:
Integration für gehörlose Kinder ist eher schlecht, da sie ohne Dolmetscher praktiziert wird und die Kinder von sprachlicher Kommunikation und dem Erwerb der Gebärdensprache ausschließt.
Das heißt, dass gehörlose Kinder statt integriert noch mehr ausgesondert werden – sie bilden eine ausgeschlossene Gruppe innerhalb "normaler" Kinder! Weder Gehörlose, noch CI-Träger, aber auch Schwerhörige (hochgradig Schwerhörige) können dem Lehrer im Unterricht folgen.
Gebärdensprache wird oft für Kinder nicht empfohlen, da, wie erwähnt, befürchtet wird, dass sie die Lautsprache dann nicht erlernen würden und somit eine Bedrohung für eine integrierte Zukunft darstelle und sie sich durch die Gebärdensprache selber ausgrenzen.
Weiters fühlen wir uns von der Informationsgesellschaft ausgegrenzt, da im TV-Sender nur 10 % aller Sendungen untertitelt werden.
Im Vergleich dazu können Hörende rund um die Uhr fernsehen und somit zu Informationen kommen.
Weiters gibt es zuwenig Dolmetscherdienste, d.h.; Gehörlose können nicht rund um die Uhr auf Dolmetscher zurückgreifen – z.B. in Notfällen!
KULTUR:
Wir sind stolz darauf eine eigene Kultur zu haben. In deren Mittelpunkt stehen natürlich die Gebärdensprache, sowie die Gehörlosengemeinschaft. Aber wir spielen auch Theater, haben eine Trachtentanzgruppe, uvm.
Wie in jeder anderen Kultur auch gibt es eigene Verhaltensweisen, bzw. –regeln, z.B. wie man sich gegenseitig Mahlzeit sagt: sanft auf den Tisch klopfen – "mahlzeit" oder längere Begrüßungs- und Verabschiedungsrituale (z.B. müssen die Hände geschüttelt werden!), es existieren auch eigene Witze und vieles mehr!
TIPPS ZUM UMGANG MIT GEHÖRLOSEN:
Wie macht man eine Gehörlose Person auf sich aufmerksam
auf die Schulter klopfen (das ist ganz normal für uns)
Licht ein- und ausschalten
auf den Tisch klopfen
mit dem Fuß auf den Boden stampfen
 
Wie können hörende Personen die Kommunikation mit Gehörlosen erleichtern?
Wenn Sie sich mit einer gehörlosen Person unterhalten, sprechen Sie deutlich, nicht zu schnell und mit natürlicher Stimme.
Bei längeren Gesprächen sollten Sie kurze Erholungspausen einlegen.
Sprechen Sie in kurzen und klar verständlichen Sätzen.
Sprechen Sie nicht mit Zigarette oder Kaugummi im Mund.
Die gehörlose Person kann Sie viel leichter verstehen, wenn Sie ihr Sprechen mit natürlichen Gesten begleiten. Lassen Sie Ihren Körper "sprechen"!
2013-07-05